Donnerstag, 14. Dezember 2017
Notruf: 112

Zur Geschichte der Lorbacher Feuerwehr

Bei allen Kulturvölkern war es Pflicht aller Bewohner einer Siedlung, Gefahren für das Gemeinwesen abzuwehren. Auch nach germanischem Recht bestand diese Wehrpflicht für alle Männer zwischen dem 18. und 45. Lebensjahr und sie beschränkte sich nicht, wie es heute ist, auf den Militärdienst, sondern forderte von allen Gegenseitigkeitsdienste, wie sie bei Feuerkatastrophen oder Unwettern erforderlich waren. Aber nicht allein tatkräftige Mithilfe wurde eingefordert. Jeder Bürger musste auch materiell seinen Beitrag leisten. In vielen Gemeinden war es im Mittelalter üblich, von einem Neubürger ein "Eimergeld" zu verlangen, mit dem u.a. Löscheimer gekauft und andere Ausgaben bestritten wurden. Nicht immer jedoch bestand in den Dörfern und Städten ein in unserem Sinne geordnetes Feuerlöschwesen. In größeren Städten verpflichtete man die Zünfte. In Frankfurt z.B. waren die Metzger, in Leipzig die Gastwirte die für den Feuerschutz Verantwortlichen. In kleineren Siedlungen aber mussten die Hausbewohner selbst Vorsorge treffen und im Notfall den Nachbarn Hilfe leisten. Besondere Bedeutung hatte die Bereitstellung von ausreichenden Mengen Löschwasser, aber auch die Organisation der Löscharbeiten im Ernstfalle musste abgesprochen werden.

Erst relativ spät wurde das gesamte Feuerlöschwesen durch Verordnungen des Landesherren geregelt. Die für Hessen erste gesetzliche Regelung des gesamten Feuerlöschwesens wurde 1826 in Gießen gedruckt. Aber schon der Erlass der "Hochfürstlich Hessisch-Darmstädtischen Feuerordnung" im Jahre 1767 war geradezu revolutionär. 

In der Präambel dieses Erlasses heißt es:

"Von Gottes Gnaden, Wir LUDWIG, Landgraf zu Hessen, Fürst zu Herßfeld, Graf zu Catzenellenbogen, Dietz, Ziegenhain, Nidda, Schaumburg, Isenburg und Büdingen, Dero Römisch-Kaiserl. Auch zu Hungarn und Böheim Königl. Apostol. Majestät, bestellter General-Feld-Marschall und Obrister über ein Regiment Dragoner Fügen hiermit zu wissen:

Demnach eines der vornehmsten Stücke der Landesväterlichen Vorsorge vor sämmtliche getreue liebe Untertanen billig mit ist, dahin den Bedacht zu nehmen, dass auch der, durch Gottes unerforschliches Verhängniß, vom unvorsichtigen Feuer entstehende Schaden abgewendet werde; und in solcher Rücksicht, sowohl von unseren in Gott ruhenden Vor-Eltern, als auch Uns selbsten, verschiedentlich  diensamen Verordnungen erlassen worden; Wir aber oft  missfälligst wahrgenommen, dass selbige theils gänzlich außer Augen gesetzt, theils nicht in allen Stücken gebührlich befolget worden; ..."

Die Verordnung regelt in insgesamt 60 Paragraphen all jenes, was man in dieser Zeit an Regelbedarf erkannt hatte. Im ersten Teil ging es darum, beim Bau von Häusern alles zu vermeiden, was zu einer erhöhten Brandgefahr führen könnte. So wurden Stroh- und Holzschindeldächer verboten, Kamine, Schornsteine und Feuerstätten durften nicht in der Nähe brennbarer Stoffe errichtet werden. Bäcker, Schlosser und Schmiede wurden angewiesen, ihre Feuerstätten/Essen mit Brand- und Feuermauern "aus Laimensteinen" zu umgeben. Da wurden Regeln für die Lagerung von Heu, Stroh, Hanf, Flachs und Öl angeordnet und der Gebrauch von offenem Licht in Scheunen und Ställen verboten. Ja sogar das Tabakrauchen in Betten oder in Scheunen wurde bei Androhung einer Strafe von 5 Gulden verboten.  Neubauten wurden von beauftragten Beamten besichtigt und außerdem musste diese Prüfung zweimal im Jahr in jedem Haus erfolgen.

Der zweite Teil regelt die Benutzung der damals gebräuchlichen Feuerlöschgeräte und verpflichtete zur Bereitstellung von Bütten und Eimern und zur Vorsorge gegen das Einfrieren der Wasserstellen im Winter. Es werden erstmals Aufseher bei den Löscharbeiten bestimmt und "Feuerläufer" beauftragt, im Falle eines Brandes im Nachbarort Hilfe zu holen. Im dritten Teil werden die Pflichten bei den Rettungsmaßnahmen bei einer Feuersbrunst behandelt. Jeder hatte Nachbarn zu Hilfe zu rufen, die Feuerglocke war zu läuten und Spanndienste waren zu leisten, denn mit den Fuhrwerken musste Wasser transportiert werden. Hinderliche Leute sollten am Brandplatze nicht erscheinen, ebenso Kinder unter 15 Jahren. Wachen hatten die Brandstelle abzusichern und auch Plünderungen zu verhindern. Aber es wurde auch eingefordert, dass genau geregelt wird, wer Wasser zu bringen, wer die Spritze zu betätigen hatte. Es wurden Mannschaften mit einer genauen Aufgabenverteilung zusammengestellt.

Im vierten Teil der Verordnung geht es um Maßnahmen nach einem Brand. So hatte der Schultheiß (Bürgermeister) das Recht, jene, die sich besonders bei der Feuerbekämpfung eingesetzt hatten, zu belohnen. Die Mannschaft, die als erste mit der "Spritze" erschien, erhält, so wurde festgelegt, fünf Gulden, der erste Wasserbringer einen Gulden. Aber auch die Pflicht zur sorgfältigen Pflege des Löschgerätes und die sorgfältige Aufbewahrung wurden durch die landgräfliche Anordnung eingefordert und die Kontrolle angekündigt. Als Folge der gesetzlichen Regelung des Feuerlöschwesens begann eine Diskussion über Möglichkeiten der finanziellen Hilfen nach Brandkatastrophen. Es wurde vom Landesständetag in Butzbach dem Landesherren die Einrichtung einer Brandversicherungskammer empfohlen. Seit dieser Zeit besteht diese Einrichtung also.

Die selbständige Gemeinde Lorbach war selbstverständlich auch verpflichtet, den Erlass des Landesherren umzusetzen. Das älteste bisher bekannte und auch erst kürzlich aufgetauchte Dokument ist eine Mannschaftsliste aus dem Jahr 1840.

                                                     Liste über die Feuerrothen 11.)                                         1840

      1.   Henrich ???

    19.   Peter Krimm

    37.   Wilhelm Lerch

      2.   Georg Dörr II

    20.   Johannes Kuhl I

    38.   Johannes Bischoff

      3.   Friedrich Nazarenus I

    21.   Schullehrer Frey

    39.   Michael Glanz

      4.   Wilhelm Faust

    22.   Jakob Blum

    40.   Ludwig May

      5.   Johannes Kuhl II

    23.   Salomon Kühn

    41.   Johannes Traut

      6.   Balthasar Frey

    24.   Heinrich Reuß I

    42.   Christian Dadt

      7.   Friedrich Dadt II

    25.   Johannes Reuß

    43.   Friedrich Dadt I

      8.   Georg Kuhl

    26.   Gottfried Nagel

Feuerreuter

    44.   Caspar Dadt

      9.   Jakob Möller

    27.   Friedrich Zieg

    45.   Georg May

    10.   Georg Nagel

    28.   Johannes Faust

Rothmeister 3

    46.   Henrich May

Rothmeister 2 4

    11.   Johannes Nagel II

    29.   Friedrich Dörr I

    47.   Ernst Wagner

Feuerreuther

    12.   Georg Schultheiß

    30.   Friedrich Dörr II

    48.   Pächter Kling

Feuerreuther

    13.   Friedrich May

    31.   Johannes Dörr

    49.   Johannes Lechleidner

    14.   Friedrich Naumann

    32.   Heinrich Mohn

    50.   Friedrich Stürz I

    15.   Johannes Lampmann

    33.   Johannes Lott

    51.   Johannes Nagel

    16.   Heinrich Reuß II

    34.   Heinrich Kuhl

    52.   Ernst Frey II

    17.   Johannes Grasmück

    35.   Friedrich Nazarenus II

    53.   Ernst Faßbinder

18.    Ernst Nagel

Rothmeister 1 4 12)

    36.   Heinrich Stürz III

    54.   Johannes Nagel I

Anmerkungen des Verfassers:
11.) Feuerrotten
12.) Rottmeister (andernorts auch Rottenmeister), d.h. Führer der Gruppe (Rotte)

Es ist denkbar, dass die Aufstellung durch Bürgermeister Schneider nach seiner Wahl 1839 vorgenommen wurde, als er begann, seine Amtsgeschäfte zu ordnen. Wie lange vorher eine Feuerwehr bestand läßt sich nicht ermitteln. Lückenlose Mannschaftsaufstellungen beginnen ab 1858. In diesem Jahr beginnen die Eintragungen in einem Buch, in dem für jedes Jahr die Mannschaftsmitglieder der Pflichtfeuerwehr namentlich aufgeführt wurden, samt ihren Führern und den Feuerläufern.


Zum Datum der ersten Erwähnung der Pflichtfeuerwehr in Lorbach schreibt Hr. Klaus-Dieter Rack vom Hessischen Staatsarchiv in Darmstadt: Die Gründung der Pflichtfeuerwehr Lorbach läßt sich anhand der in unserem Hause vorhandenen Archivdokumente nicht unmittelbar belegen. Allerdings dürfte die von Großherzog Ludwig III. von Hessen und bei Rhein am 21. 3. 1857 erlassene „Verordnung, die Löschung der Feuersbrünste betreffend“ (Großhzgl.Hess.Regierungsblatt 1857, S.117ff.) im Zusammenhang mit der im Gemeindearchiv Lorbach vorliegenden ersten Namensliste der örtlichen Pflichtfeuerwehr aus dem Jahre 1858 stehen. In §2. der „Feuerlösch-Verordnung“ lautet es nämlich: „Die Verpflichtung, bei Löschung eines Brandes und bei Bekämpfung der Feuersgefahr nach Kräften mitzuwirken, liegt allen Einwohnern ob.“ Gemeint waren damit aber allein männliche Einwohner im Alter zwischen 18 und 55 Jahren. – Die hier überlieferten Akten des Kreisamtes Büdingen zum Feuerlöschwesen in Lorbach beziehen sich im Übrigen auf die Anschaffung, Unterhaltung und Inspektion von Feuerlöschgeräten sowie auf sachgerechte Nutzung des Spritzenhauses in den Jahren 1891 bis 1922 (G 15 Büdingen  186).
Es wäre allerdings unangemessen, den „Beginn“ des Feuerlöschwesens in Lorbach allein von der oben genannten Verordnung abhängig zu machen, denn Brandschutzvorbeugung und Bekämpfungsmaßnahmen gehörten seit „Urzeiten“ zur menschlichen Siedlungsgemeinschaft. Darauf deutet auch der letzte Satz in §1 der Verordnung aus dem Jahre 1857 hin: „An der Verpflichtung der Ortsbürger zur Anschaffung von Feuereimern, ... wird hierdurch nicht geändert.“
Die „Feuerlösch-Verordnung“ bündelt, reguliert und aktualisiert somit lediglich den seit langem üblichen, örtlich/regional zum Teil unterschiedlichen Zustand der Brandabwehr wie –bekämpfung im Bereich des Großherzogtums Hessen.

Die Führung der Pflichtfeuerwehr stand von Anfang an unter der Führung der Obrigkeit des Staates. Der Bürgermeister des Ortes war der Ansprechpartner, um Anweisungen entgegenzunehmen und an die Einwohner weiterzugeben. Die Unterlagen des Feuerlöschwesens in Lorbach sind deshalb in den Akten der Großherzoglichen Bürgermeisterei untergebracht. In diesem Zusammenhang verdienen die Namen der Bürgermeister der Erwähnung:

1839 - 1867

Heinrich Schneider

heutiger Hof Nos

1868 - 1890

Ernst Wagner

heutiger Hof Seib

1890 - 1908

Heinrich Frey

heutiger Hof Arnold

1909 - 1913

Hermann Seib

heutiger Hof Seib

1914 - 1925

Ludwig Faust

heutiger Hof Faust

1926 - 1941

Hermann Seib

heutiger Hof Seib

1941 - 1945

Wilhelm Schäfer

heutiger Hof Nos

1946 - 1965

Ludwig Seib

heutiger Hof Seib, Sohn v. Hermann Seib

1965 - 1972

Erich Kuhl

Herrnhuter Str. 62

 

 

Es ist zu vermuten, dass mit Erlass der Verordnung von 1857 auch die Ausgabe von entsprechenden Formularen einherging. Deshalb die Erfassung der Pflichtfeuerwehrleute in einem Buch. Für das Jahr 1859 ist in der Mannschaftsaufstellung vermerkt: „... die Gemeinde besitzt keine Spritze“. Erstmals in der Eintragung vom 11. Febr. 1881 sind zwei Spritzenmeister namentlich verzeichnet. Somit muß 1880 eine Spritze angeschafft worden sein! Vielleicht war ein Schreiben vom 26. Mai 1880 des Großhzgl. Kreisamtes Büdingen an die Bürgermeistereien der Anlaß für die Anschaffung: sie wollen umgehend und spätestens innerhalb fünf Tagen berichten, ob in Ihrer Gemeinde eine eigene brauchbare Feuerspritze vorhanden, bezw. aus welchen Gründen die Anschaffung einer solchen bisher unterblieben ist. Am 20. Juli 1881 berichtet der Großhzgl. Bürgermeister Wagner an das Großhzgl. Kreisamt Büdingen: „... wann Brand im Ort ausbrücht da sein sämtliche Bewohner des Ortes verpflichtet bei dem Brand Hülfe zu leisten, und zur Erhaltung der Ordnung bei der Brandstätte hat der Ortsvorstand zu übersehen und zu bewachen, ...“. Des weiteren werden die beiden Spritzenmeister Schmidtmeister Wilhelm Faust II und Schmidtmeister Heinrich Lampman, 8 Pumper und 8 Stellvertreter, die 1. Rotte mit 25 Mann, die 2. Rotte mit 26 Mann und abschließend die Feuerboten und Feuerreuter namentlich benannt. „Die Spritze haben wir mit den obigen Mannschaften probiert, unser Spritze ist noch neu und kann keine Fehler haben. Wann außerhalb des Ortes Feuer ausbricht, so haben wir zwei Rotte gebildet die mit Feuereimern versehen sind.“ 


Am 29. März 1890 erließ Ernst Ludwig, Großherzog von Hessen und bei Rhein, per Gesetz eine Landesfeuerlöschordnung: „... hiernach hat jede Gemeinde die nötigen Feuerlösch- und Rettungsgerätschaften anzuschaffen und im Stande zu halten, für Beschaffung von Wasservorräten, soweit es die Verhältnisse gestatten, sowie für die Einrichtung und Unterhaltung einer ausgerüsteten und eingeübten Feuerwehr und eines sachgemäßen Feuermeldewesens zu sorgen. ...“

Daraufhin wurden in Hessen viele Freiwillige Feuerwehren gegründet, was erklärt, warum in den letzten Jahren so viele FFW ihr 100-jähriges Jubiläum feierten.
Entsprechend dieser Ordnung und den Ausführungsbestimmungen des §16 erstellte Formulare fanden in Lorbach Anwendung bis zum 2. Weltkrieg. Dies sind u.a. Übungspläne für das jeweilige Jahr, in denen für die Monate April bis November verschiedene Übungen und Revisionsmaßnahmen vorgeschrieben wurden.

Für die Gemeinden Lorbach, Diebach und Vonhausen, die zusammen die Kirchengemeinde Herrnhaag bilden, gab es, wie Hans-Velten Heuson zu berichten weiß, noch um die Jahrhundertwende besondere Absprachen zur gegenseitigen Hilfe. Kam es zu einem Brand in einer der Gemeinden, so wurden zunächst die Männer des Ortes über einen "Signalisten" um Hilfe gerufen. Gleichzeitig  wurde  aber  ein  "Feuerläufer"  zum  Herrnhaag  geschickt,  der  dort  die Brandglocke läutete. Aus den Nachbargemeinden eilten nun die dortigen Feuerläufer zum Haag, informierten sich über den Anlass des Alarms und führten anschließend die Ortsfeuerwehr dorthin, wo ihre Hilfe gebraucht wurde. Besondere Bedeutung hatte seit des Inkrafttretens der Großherzoglichen Brandschutzverordnung der vorbeugende Brandschutz. Nicht nur beim Bau neuer Häuser, Stallungen und Scheunen mussten die Großherzoglichen Auflagen beachtet werden. Vielmehr wurden die bestehenden Feuerstellen und Essen in allen Häusern und Werkstätten regelmäßig überprüft. So wird im "Büdinger Allgemeiner Anzeiger" vom 1. Februar 1887 angekündigt, dass Maurermeister Wilhelm Fassbinder beauftragt wurde, die Feuerstätten in Lorbach zu inspizieren.

Trotz aller vorbeugenden Maßnahmen gab es immer wieder Brandkatastrophen großen Ausmaßes. So berichtete der "Allgemeine Büdinger Anzeiger" am 21.6.1887 von einem Brand in Brinkum bei Bremen, bei dem 35 Häuser zerstört wurden. Am 22.7. des gleichen Jahres kam es zu einem Brand in Büdingens Hohe Dammgasse. Der Bericht des "Büdinger Allgemeinen Anzeigers" macht die Probleme der Brandbekämpfung in dieser Zeit deutlich: "Es war gegen 9 Uhr, zu einer Zeit, wo viele Bewohner und Feuerwehrleute auf dem Felde waren, und dauerte es ziemlich lang, bis die Löscharbeiten in Gang kamen. Nachdem erst die Feuersignale ertönten, war bald volle Hülfe zur Stelle. Energisch wurde jetzt von der Feuerwehr, dem Publikum und ganz besonders lobenwerth von den Gymnasiasten das verheerende Element bekämpft. Die neuen Saugspritzen, sowie die sehr gute Schlossspritze thaten in der Ecke, von der das Wasser weit entfernt ist, ihre Schuldigkeit und bald war man Herr des Feuers."

Lorbach blieb, soweit dies aus den Unterlagen ersichtlich war, von größeren Brandkatastrophen verschont. Aber mit der Mechanisierung der Landwirtschaft veränderte sich die Arbeitsplatzsituation in den landwirtschaftlich geprägten Dorfgemeinden.

In einer Zeit, wo letztlich alle Bewohner eines Dorfes auch dort ihren Arbeitsplatz hatten und in Notsituationen relativ schnell erreichbar waren, konnte ein solches System gegenseitiger Hilfe funktionieren. Aber schon spürbar vor dem l. und verstärkt nach dem 2. Weltkrieg verdienten mehr und mehr Menschen ihr Brot außerhalb der Gemeinde und standen für erforderliche Hilfeleistungen nur zeitweise zur Verfügung. So bestand zwar für alle männlichen Bürger entsprechenden Alters nach wie vor die Pflicht zur Hilfe, zur Verfügung standen aber zumeist nur jene, die ihren Beruf in der Gemeinde ausübten, also die in der

Landwirtschaft Tätigen und die ortsansässigen Handwerker. Die rasante technische Entwicklung insbesondere nach 1945 brachte eine Vielzahl von Veränderungen, die Einfluss auf die Arbeit der Feuerwehren nahmen. So z.B. die Verwendung neuer Baustoffe, die umfassende Elektrifizierung und die Motorisierung mit all ihren Folgen stellten die Pflichtfeuerwehr vor Aufgaben, die in immer stärkerem Maße besonderes Engagement und spezielle Ausbildungen erforderten. Und genau dies konnten der Feuerwehrausschuss und die Pflichtfeuerwehr nicht im notwendigen Umfang leisten. Aus dieser Einsicht heraus entschloss man sich in vielen Gemeinden dazu, die Aufgaben der Pflichtfeuerwehr einer freiwilligen Feuerwehr zu übertragen. Voraussetzung war, dass es genug Männer gab - heute arbeiten in vielen Gemeinden auch Mädchen und Frauen mit - , die bereit waren, sich dafür zu engagieren. Auch in Lorbach tat man diesen Schritt, als am 25. April 1952 auf einer Versammlung der Pflichtfeuerwehr in der Gaststätte Weinel die Freiwillige Feuerwehr Lorbach gegründet wurde.

Im Gründungsprotokoll des damaligen Schriftführers Erwin Grasmück heißt es:

"Die Leitung zur Wahl des Vorstandes übernahm Bürgermeister Seib. Es wurde folgender

Vorstand gewählt:

  1. Vorsitzender und Ortsbrandmeister: Ernst Schäfer
  2. Vorsitzender u. stellvertr. Ortsbrandmeister: Ludwig Weinel

Rechner:                                                                                            Heinz Oetter

Schriftführer:                                                                                     Erwin Grasmück

Beisitzer:         Wilhelm Hölzinger    Helmut Faust  Heinrich Weinel

Der Vorstand wurde auf 4 Jahre gewählt. "

Es würde sicher zu weit führen, all jene aufzuzählen, die in den vergangenen 50 Jahren des Bestehens bereit waren, Verantwortung im Vorstand zu übernehmen. Einige Namen sollten aber erwähnt werden:

Da war Ernst Schäfer mit großem Einsatz die ersten 12 Jahre l. Vorsitzender und Ortsbrandmeister, Ludwig Weinel in der gleichen Zeit sein Stellvertreter. Im Jahre 1964 übernahm Ludwig Weinel die Aufgaben des l. Vorsitzenden und Wehrführers und hat, rechnet man genau, 36 Jahre die Geschicke der Freiwilligen Feuerwehr Lorbach maßgebend bestimmt. Auf eine ebenso lange Zeit an verantwortlicher Stelle kann Heinz Oetter als Rechner zurückschauen und eine nur wenig kürzere Dienstzeit hatte Georg Brill als Schriftführer. Auch der jetzige l. Vorsitzende und Wehrführer Edgar Steinert engagiert sich seit nunmehr 32 Jahren im Vorstand. Namen wie Willi Lott, Helmut Faust, Willi Uhlrich, Rudi Schultheiß, Wolfgang Konrad und Heinz Brill tauchen in den Protokollen mehrfach auf, sei es, daß sie als Gerätewarte, Zeugwarte oder als Beisitzer mithalfen, die anstehenden Aufgaben zu lösen. Lassen sie mich einige für die Freiwillige Feuerwehr Lorbach wichtige Ereignisse aus den abgelaufenen 50 Jahren nennen, die gerade den älteren unter ihnen in Erinnerung sein werden:

  • Da wurde zusammen mit dem Sportverein Fasching gefeiert, um mit dem Erlös die Kasse ein wenig zu füllen;
  • 1957/1958/1959 wurde zusammen mit dem damaligen Bürgermeister Ludwig Seib mit der Planung des  Feuerwehrgerätehauses begonnen. Im Jahre 1966 wurde es eingeweiht. Zuvor mussten Spritze und Schlauchwagen in einem Schuppen am Backhaus aufbewahrt werden.
  • 1971 vor der Eingemeindung nach Büdingen stellte die Gemeinde 5000 DM für Schlauchmaterial und Werkzeuge zur Verfügung;
  • 1972 wurde das 20 jährige Bestehen gefeiert;
  • 1975 beteiligte man sich an der 1200-Jahrfeier der Gemeinde;
  • 1977 wurde das 25jähriges Jubiläum gefeiert. Mit dem Schirmherren Bürgermeister Manz. Kommersfeier, Festzug und Tanz im Festzelt mit den "Blue boys"
  • 1978 wurde eine Jugendfeuerwehr gegründet und von Heinz-Georg Schäfer betreut, Ihr gehörten im Jahr der Gründung 18 Jugendliche an. Im gleichen Jahr beteiligten sich 30 Feuerwehrkameraden, wie es im Protokoll heißt, an den Feierlichkeiten anlässlich des 100 jährigen Bestehens der freiwilligen Feuerwehr Büdingen;
  • 1982 wurde ein in Eigenhilfe zu einem Tragkraftspritzenfahrzeug umgebautes Fahrzeug mit einem Sprechfunkgerät ausgerüstet und am 13.3.82 eingeweiht.
  • 1984 wurden die örtlichen Sirenen auf Funksteuerung umgestellt. Der Ausflug nach Berwang im gleichen Jahr fand großen Zuspruch!
  • 1988 wurden 27 Einsatzanzüge angeschafft, die im gleichen Jahr dringend gebraucht wurden, als am 8. August 1988 nach schweren Regenfällen ein, so kann man sagen, Jahrhunderthochwasser Straßen überflutete und Dutzende von Kellern unter Wasser setzte.

 

 

An besonderen Einsätzen in dem überschaubaren Zeitraum erinnert man sich an einen Kaminbrand 1988, an zwei kleinere Brände in Wohnhäusern, die dank des schnellen Eingreifens bald gelöscht waren. Dazu kam ein Böschungsbrand an der "Birke" und der Brand eines Trockensilos im Dezember 1990. Bei den weitaus häufigsten Einsätzen ging es darum, Keller nach starken Regenfällen leer zu pumpen. Dank der Einsatzbereitschaft unserer Feuerwehr ist es in den letzten Jahrzehnten zu keiner  Brandkatastrophe  gekommen.  Einsatzbereitschaft,  damit  meine  ich,  dass  alle Vorkehrungen getroffen wurden, im Ernstfall schnell zu reagieren und angemessen zu helfen.

 

Einsätze

 

Heute zählt die Freiwillige Feuerwehr Lorbach stolze 219 Mitglieder. Davon sind 24 Aktive und etwa 20 Mitglieder in der Jugendfeuerwehr. Alle zusammen haben bei vielen örtlichen Festen und eigenen Veranstaltungen das Gemeindeleben mitgestaltet. Die bekanntermaßen gute Kameradschaft unter den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr hat sich schon lange herumgesprochen und dazu geführt, daß man nicht über Nachwuchsmangel klagen muss. Ich habe ihnen nun einen kleinen Querschnitt aus dem Leben des Jubilars vorgestellt. In der 50 jährigen Geschichte der freiwilligen Feuerwehr Lorbach blättern heißt zu sehen, wie

Technik sich weiterentwickelt hat von  der Feuertrompete  des  Emil  Stephan zur funkgesteuerten Sirene, von der handbetriebenen Wasserspritze bis zum modernen, mit Funk ausgerüsteten Tragkraftspitzenfahrzeug.

Was sich aber nicht geändert hat ist dies: Dass es damals Menschen gab und sie auch heute noch gibt, die selbstlos für andere da waren und da sind. Die Freizeit opfern, Fortbildungslehrgänge besuchen, Geräte instandhalten und letztlich Tag und Nacht bereit sind, Leben und Eigentum ihrer Mitmenschen zu schützen.

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